Rassen

Wie entstehen Pferderassen? Was ist ein Arbeitspferd? Steckbriefe verschiedener Pferderassen

Wie entstehen Pferderassen?

Charles Darwin, Mitbegründer der Evolutionstheorie, fand heraus, dass die verschiedenen Arten durch Variation und natürliche Selektion entstanden. Die Isolation des genetischen Materials spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wenn eine Art plötzlich durch Umwelteinflüsse von seinen Verwandten getrennt ist, kann sie sich nur noch mit dem zur Verfügung stehenden genetischen Material reproduzieren. So können besondere Eigenschaften einer Art entstehen oder gar eine neue Art auftauchen. Genau so kann aber auch eine Art verschwinden.

Die Menschen haben sich, ohne die Evolutionstheorie zu kennen, dieses Phänomen während Jahrtausenden zu Nutze gemacht. Der Züchter isoliert bei Pferden die Eigenschaften, die ihm nützlich sind und versucht, diese durch gezielte Kreuzung zu reproduzieren. Bei der Zucht wird die natürliche Selektion durch künstliche Selektion ersetzt. So entstanden die zahlreichen Pferderassen, die wir heute kennen.

Es sei darauf hingewiesen, dass jede Rasse ihre eigene Geschichte, die eng mit der Menschheitsgeschichte verbunden ist, besitzt. Kriege, Hungersnöte und Epidemien haben die Pferde über Jahrhunderte geprägt. Heutzutage werden die Zuchtkriterien der jeweiligen Rassen durch Zuchtverbände festgelegt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts achtet man eher auf Ästhetik und Effizienz, während Gewicht und Zugkraft als weniger wichtig angesehen werden. Aus diesem Grund sind zahlreiche Kaltblutrassen erheblich verändert worden oder fast verschwunden.

Was ist ein Arbeitspferd?

Jedes Pferd, das für den Menschen eine Arbeit ausführt, kann als Arbeitspferd bezeichnet werden. Im Folgenden konzentrieren wir uns jedoch auf die gebräuchlichsten Kaltblut- und schwere Warmblutrassen in Westeuropa.

Steckbriefe der verschiedenen Arbeitspferdrassen

Westeuropäische Arbeitspferdrassen können in zwei wesentliche Gruppen unterteilt werden: Rassen, die aus Tiefebenen stammen und Rassen, die aus dem Alpengebiet stammen.

Ardenner

Das Ardennerpferd ist das Zugpferd des Kompetenzzentrums für Arbeitspferde in Munshausen. Horsepower setzt sich aktiv für den Erhalt dieser für Luxemburg typischen Rasse ein. Bei organisierten Lehrgängen in Munshausen werden die Ardenner eingesetzt und die Kursteilnehmer kommen in Kontakt mit dieser sehr umgänglichen Rasse. Eine genaue Beschreibung des luxemburger Ardenners liefert uns das Lëtzebuerger Ardenner Studbook.

Brabanter

Der Brabanter, oder belgisches Kaltblut, ist zweifelsohne eine der wichtigsten Kaltblutrassen weltweit. Die Rasse ist als Zugpferd oder im Landbau hervorragend geeignet. Die fruchtbaren Tiefebenen in Flandern und im Hennegau ermöglichten ausgezeichnete Ernten, sodass der Landwirt sich ein Zugpferd leisten konnte. Im Laufe der Jahre wurden die stärksten selektiert.

Während der Industrierevolution brauchten Unternehmer leistungsstarke und genügsame Pferde. Auch hier erfüllte der Brabanter alle Anforderungen. Jedoch wollten sie sich der Herkunft ihrer Pferde, einer kostspieligen Investition, vergewissern. Somit wurden die ersten Stammbücher für Kaltblüter eingerichtet.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Pferd durch motorbetriebene Maschinen ersetzt. In den letzten Jahrzehnten wurden diese Pferde vorrangig für ihr Fleisch gezüchtet. Sie sind jedoch hervorragende Arbeitstiere und eignen sich vor allem für schwere Landarbeit oder für die Forstwirtschaft.

Der Brabanter gilt als Ausgangsbasis zahlreicher anderer Zugpferdrassen, u.a. Ardenner, Percheron, Boulonnais, Comtois, Breton, Trait du Nord, Auxois, Poitevin, Shire, Clydesale, Suffolk-Punch, Rheinisch Deutsche Kaltblüter, Schleswiger Kaltblüter, Hannoveranische Kaltblüter, Schwedische Ardenner, Polnische Kaltblüter, Muraközi, usw.

Zugpferdrassen aus dem Alpengebiet

Die Eigenschaften alpiner Zugpferdrassen – Noriker und verwandte Rassen, Süddeutsche Kaltblüter, Schwarzwälder Kaltblüter – haben sich aus ihrem ursprünglichen Umfeld ergeben. Agile, leichte, gutmütige und wenig krankheitsanfällige Tiere wurden selektiert. Dementsprechend sind sie heutzutage besonders beliebte Allrounder.

Sie sind weniger schwer als Brabanter und Pferde abgeleiteter Rassen, benötigen weniger Nahrung und leben länger – Vorteile, die Zugpferdhalter zu schätzen wissen.

Interessant ist auch, dass in den letzten Jahren zwei vollkommen neue Zugpferdrassen geschaffen wurden. Diese entsprechen den lokalen Bedürfnissen und zeugen von der zunehmenden Beliebtheit des Arbeitspferdes.

Ponys als Arbeitspferde

Neben Kaltblütern werden auch Ponys als Arbeitstiere genutzt. Dazu gehören u.a. das norwegische Fjordpferd, Irish Cobs, Dales-Ponys, Fell-Ponys, Mérens, Koniks und Huzulen. Sie sind echte Allroundtalente, die diversen Anforderungen gerecht werden. Sie eignen sich sowohl zum Fahren, als auch zum Reiten oder zum Ziehen von Lasten. Heutzutage werden sie im Gartenbau, bei der Grünlandbewirtschaftung, in der Forstwirtschaft, für Kutschfahrten oder zu therapeutischen Zwecken eingesetzt.

Auch im Alltag überzeugen sie durch diverse Eigenschaften. Sie sind kostengünstig, sowohl in der Fütterung, als auch im Geschirr und im Hufbeschlag.

Es sei ganz besonders auf Haflinger hingewiesen. Dieses Gebirgspferd ist besonders gutmütig und genügsam. Im Laufe der Zeit hat es sich zum modernen und robusten Freizeitpferd in Europa entwickelt. In den Vereinigten Staaten wird es von den Amischen als Arbeitspferd in der Landwirtschaft eingesetzt. Dieses Pferd ist größer und stärker als der europäische Haflinger-Typ.

Schwere Warmblutrassen

Groninger, schlesische Warmblüter (oder Slaskis), Nonius-Pferde, Alt-Oldenbrger und Freiberger sind wahrscheinlich die bekanntesten schweren Warmblutrassen. Sie besitzen das wahrscheinlich beste Input-Output-Verhältnis und können als Biomotor-Champions angesehen werden.